Hamburger Torftage

Die Hamburger Torftage finden in diesem Jahr ausschließlich online statt, alle Führungen wurden abgesagt. Torf gehört ins Moor – das einzusehen fällt den meisten Naturfreunden nicht schwer. In den Mooren von Hamburg und im Kreis Pinneberg gibt es keinen Torfabbau mehr. Auch im Himmelmoor hat das Torfwerk seinen Betrieb vor wenigen Jahren eingestellt.

Doch wie sieht es mit den Gartenfreunden aus? Wieviel Torf verschwindet in den Gärten? Die Blumenerde aus dem Baumarkt besteht weiterhin zum großem Teil aus Torf.
Und bei unserer Ernährung: Wieviel Torf wird für die Anzucht unserer Gemüse benötigt?

Torfbearbeitung im Himmelmoor bei Quickborn – Aufnahme aus dem Jahr 2017

Torftage A – Torf und Ich

Der NABU Hamburg hatte für den 25.03.2021 zu einer Online-Diskussionsveranstaltung eingeladen. Hier einige Notizen zur Veranstaltung, so wie ich diese mitgeschrieben habe.

Torf im Alltag

Ob im Supermarkt, Gartencenter oder auf dem Sportplatz, ohne Torf kann vieles aktuell nicht produziert werden. Gemeinsam mit verschiedenen Expert*innen aus den Bereichen Verbraucherschutz, Gartenbau und klimaverträglicher Ernährung wurde darüber gesprochen, wie unser Verhalten zu mehr Moor- und Klimaschutz beitragen könnte.
Welche Rahmenbedingungen sollten von der Politik für eine wirkliche Reduzierung der Torfnutzung geschaffen werden?

Der Moorboden, Torf und Kohlenstoffäquivalent am Beispiel Milch

Ein Liter Milch zu produzieren benötigt zwischen 0,6 bis 1,5 kg CO2. Wenn die Milch auf (ehemaligem) Moorboden produziert wird, steigt der Wert auf 4 kg. Das liegt daran, dass der ehemalige Moorboden unter der Oberfläche noch Torf enthält. Mit der Nutzung als Weide oder – häufiger – zur Futterproduktion zersetzt sich dieser Torfanteil im Boden und entweicht als Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre.

Die Referentin Anne Ostwald (Referentin für Moorschutz, NABU Hamburg) nennt 2,4 Mio T CO2 pro Jahr durch den Torfabbau. Das ist bezüglich der Klimawirkung nur ein kleiner Teil. Und ein Großteil des Torfverbrauches würde bei gewerblicher Nutzung anfallen, nur ein kleiner Teil direkt beim Verbraucher. Ein Verzicht auf Torf für die Blumenkästen und im eigenen Garten sei demzufolge nur ein Trippelschritt gegen die Klimaerwärmung. Wie so oft sei dieser erste kleine Schritt die Keimzelle. Dann den Mitmenschen ansprechen doch beim Kauf von Pflanzerde darauf zu achten, dass kein Torf enthalten ist. Und dann mit diesem Gedanken an die Politiker herangehen, dass auch Torf ein Thema für Treibhausgase ist. Der Weg ist lang.

Label für Bioprodukte und Torf

Keines der Label für Bioprodukte geht auf die Torfnutzung ein. Es wird unabhängig davon vergeben, ob Torf bei der Produktion des Lebensmittels eingesetzt wird. Für den Verbraucher ist nicht ersichtlich, wieviel Torf für die Herstellung eines Produktes eingesetzt wurde. (So meine Notizen zu den Ausführungen der Referentub Jana Fischer, Verbraucherzentrale Hamburg)

Torf und Gemüseanbau

Für Baumschulen, Gemüseanzucht und Blütenpflanzen wird Torf verwendet. Stichworte: Torf ist keimfrei, unkarutfrei, enthält keine Nährstoffe, hat gute Wasserhaltungseigenschaften und gleichzeitig hohe Luftkapazität. Dass Torf für die Anzucht von Pflanzen ein ideales Substrat ist wude erst in den 1950er Jahren entwickelt. Das sind zwar erst 70 Jahre, dennoch ist diese Art der Anzucht aus dem Wirtschaftsgeschehen nicht mehr wegzudenken. Das gilt für Europa, die Referentin betonte auch, dass China sich in großem Umfang Torfabbauflächen im Baltikum sichert für die eigene Produktion.

Dr. Gerlinde Michaelis (Leiterin Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau, Landwirtschaftskammer Niedersachsen) erläuterte den Stand der Forschung nach Torfersatzstoffen. Es seien zwar einge Materialien im Gespräch, diese können allerdings nur in kleinen Anteilen eingesetzt werden. Das liegt auch an der eingeschränkten Verfügbarkeit dieser Materialen. Der bundesdeutsche Torfabbau geht zwar zurück, jedoch wird dieser Rückgang in der Praxis durch steigenden Import aus dem Baltikum ausgegelichen.

Frau Michaelis betont, dass die im Einführungsreferat von Anne Ostwald genannten Torfmenge 2,5 Mio Kubikmeter pro Jahr für den Gemüseanbau fehlerhaft ermittelt wurden. Allerdings sind die neuen Statistiken noch nicht verfügbar. Soche Untersuchungen würden eher Jahre als Monate benötigen. Die Untersuchung von Altmann 2008 würde systematische Fehler enthalten, diese Kritik wurde während der Veranstaltung nicht näher begründet. (Seite 251 des Umweltgutachtens 2012)

Aus der Politik

Gärtnern ohne Torf … eine Webseite des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft informiert www.torffrei.info.

Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) erarbeitet eine konkrete Strategie zur Minderung des Torfverbrauchs in Kultursubstraten. Alle Akteursgruppen entlang der Wertschöpfungskette Gartenbau sind gefragt und werden eingebunden. (Pressemitteilung vom 18.02.2020)

Der Industrieverband Garten (IVG) e.V. unterhält eine Seite warum-torf.info. Der Einführungsvortrag von Anne Ostwald bezog sich mehrfach auf diese Quelle.

Torftage B – Was hat Torf mit Klima zu tun?

Fr., 19.3., 18:00-20:00 Uhr Der NABU Hamburg hatte zu einer Online-Diskussion eingeladen.

Warum ist Moorschutz Klimaschutz? Wie geht die Politik mit der Ressource Torf und unseren Mooren um? Was passiert eigentlich in Hamburg und auf Bundesebene für den Moorschutz? Wie können wir unsere Torfnutzung reduzieren?

  • Felix Grützmacher (Referent für Moorschutz, NABU Bundesverband)
  • Hans Stökl (Management Schutzgebiete, Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft Hamburg)
  • Ulrike Sparr (Sprecherin für Umwelt, Natur und Kreislaufwirtschaft, GRÜNE Hamburg)

Prof. Michael Succow über Mensch und Moor

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