Neunaugen in Pinnau und Mühlenau

Graureiher fängt Flussneunauge

Viele kennen den Graureiher am Bahnhof Pinneberg, genauer an der Holzbrücke über die Mühlenau (ILO-Siedlung). Dieser Reiher ist wenig scheu und lässt sich gut beobachten. Anfang April fing er dort einen aalähnlichen Fisch. Auf dem Foto ist erkennbar, dass es ein Neunauge ist, von der Größe her ein Flussneunauge. Neunaugen haben nur oben und unten Flossen, wohingegen Fische je zwei Brust- und zwei Bauchflossen haben.

Graureiher mit seinem Flussneunauge im Uferbereich

Film vom Flussneunauge und Graureiher an der Mühlenau

Zu den Neunaugen in der Mühlenau habe ich einen kurzen Film nach YouTube hochgeladen. Für den Film und den Link gelten die Nutzungsbedingungen von YouTube.

Das Video beschränkt sich auf 1 Minute Dauer. In dem Video ist die Originalszene, wie unser Graureiher das Flussneunauge fängt. Außerdem Aufnahmen von den sich schlängelden und sich paarenden Tieren.

Flussneunauge Paarung Mühlenau Videobild
Der Moment der Paarung. Das Neunaugen-Weibchen hat sich am Stein festgesaugt. Das Männchen hält sich am Kopf fest und umschlingt das Weibchen.

Flussneunaugen laichen in der Pinnau

Der Bach-Mann 1 Ludwig Tent bestätigte, dass die Paarungszeit in diesem April 2020 lebendiger abläuft als in den Vorjahren. Auf den Kiesbänken der Mühlenau und auch an der Pinnau sind in diesem Frühjahr die Neunaugen aktiv. Einige Elterntiere sammeln sich im flachen, schnell fließenden Wasser. Dort räumen sie die murmelgroßen Kiessteine weg und schaffen so eine flache Grube. Bei der Suche nach solchen Laichplätzen ist es am einfachsten nach hellen Stellen zu suchen. Die Tiere haben den sonst überall liegenden Schlamm weggeräumt.

Das Weibchen saugt sich dort an einem Kiesel fest. Nun wird es vom Männchen umschlungen. Mit heftigem Zittern findet die Eiablage und die Befruchtung statt. Auch wenn es aussieht, als ob das Männchen einen Penis habe, so ist die Befruchtung doch wie bei den Fischen oder Amphibien außerhalb des Körpers, frei im Wasser statt.

##Vermutlich bleiben die Eier dann in den Zwischenräumen der Flusskiesel liegen, bis die Larven ausschlüpfen. Die Strömung trägt sie dann flussabwärts an geeignete Stellen für die weitere Entwicklung. Die Querder genannten Larven möchte ich gerne einmal sehen. Gelesen habe ich, dass sie als als augenlose „Würmer“ im Sand vergraben leben. Nach einigen Jahren wandeln sie sich in erwachsene Neunaugen um. (Siehe Sonderabschnitt)

Die Neunaugen laichen nur einmal im Leben. Gleich nach der Paarung sterben die Elterntiere ab. Ich hatte am Ufer geschaut, allerdings habe ich keine Leichen gefunden. Die Strömung wird die sterbenden Tiere schnell flussabwärts spülen. Oder Fischfresser wie der Reiher werden sich die Reste holen.

Jetzt ist Niedrigwasser und keine Strömung mehr. Deshalb endete das Laichgeschehen an dieser Stelle. Zuvor konnten wir im umrandeten Bereich sich schlängelden Tiere erahnen.

Lamprete, Pricke und Ernährung

Meyers Konversationslexikon (1896) nennt Lamprete und Pricke als weiter Namen für die Neunaugen. Weiterhin: Das Fleisch der Neunaugen ist sehr geschätzt. Sie bilden, besonders mariniert, einen wichtigen Handelsartikel; das Fleisch ist aber schwer verdaulich. Frisch werden sie wie Aal zubereitet.

An der Spanischen Atlantikküste (Galicien) werden von Januar bis April Neunaugen gefischt. Ein mehrtägiges Volksfest, das Neunaugenfest findet jeweils Ende April in Arbo de Ponevedra. Für 2020 wurde auch diese Veranstaltung abgesagt (Corana-Shutdown).

In Lettland ist der August der Monat des Neunaugenfestes. Im Baltikum werden auch in der heutigen Zeit Neunaugen gegessen. Neunaugen sind von der lettischen Speisekarte bisher nicht wegzudenken und gehören zu den traditionellen regionalen Spezialitäten und Delikatessen, da greifen dann auch EU-Artenschutzregeln nicht. 2.

Ein Food-Archäologe hat die Zubereitung des Meeresneunauge (unsere größte Art) wiederentdeckt. Eine solche Nahrung wird von ihm an einigen Abenden zelebriert. Ein Bericht darüber fand ich hier.

Auch in diesen Jahren werden Neunaugen gegessen. Allerdings war dieses Nahrungsmittel in früheren Jahrhunderten verbreiteter. Die Insider seien daran erinnert, dass wir in Pinneberg Aale essen, das gehört zu unseren regionalen Spezialitäten. Auch wenn der Aal ein vom Aussterben bedrohter Fisch ist. 3.

Lesehinweise

Zu den Bachnaturierungen von Ludwig Tent

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Zusammengestellt von Hans Rutar, Naturführer ZNLF (Zertifizierter Natur- und Landschaftsführer)

Sonderabschnitt

Bemerkenswerte Einzelheiten zu Neunaugen, die hier nacherzählt werden.

Querder – Neunaugenlarven Pinnau bei Borstel-Hohenraden

In der Pinnau und Nebenflüssen laichen drei Arten von Neunaugen. Das Meerneunauge und die beiden kleineren Arten Flussneunauge und Bachneunauge. Anfang des vergangenen Jahrzehnts wurde das Vorkommen der Larven in einem Abschnitt der Pinnau untersucht. Das die Larven sehr ähnlich aussehen, wurde nicht zwischen den Arten unterschieden. (Dazu siehe auch nächsten Abschnitt).

Das wichtigste Untersuchungsgebiet war ein Sandfang bei Borstel-Hohenraden. Dieses technische Bauwerk hält den Sand im Mittellauf der Pinnau zurück und reduziert somit die Unterhaltungskosten für den schiffbaren Unterlauf des Flusses. Die Querder – die Larven der Neunaugen – besiedeln nicht nur den Fluss selbst, sondern auch den Sandfang. Sie leben dort im Sand eingegraben. Doch für die Untersuchung werden mit dem Kescher Stichproben des Sandes aufgenommen und die Larven gezählt. Dabei wurden 500 Larven erfasst.

Quelle Landessportfischerverband/

Flussneunauge – Bachneunauge

Das Bachneunauge lebt ausschließlich im Süßwasser. Die Querder verwandeln sich in geschlechtsreife Tiere, paaren sich in dem Fluss und sterben, ohne weitere Nahrung aufgenommen zu haben.

Das Flussneunauge ist mit 30 bis 40 cm größer als die 10 bis 20 cm langen Bachneunaugen. Bei dieser Art wandern die erwachsenen Tiere flussabwärts in Salzwasser und leben dort als Parasiten von Fischen, denen sie Blut und Gewebe entnehmen. Trotz dieser offenbaren Unterschiede ergaben genetische Untersuchungen ein anderes Bild. Das Erbgut der beiden Tiere ähnelt sich sehr. Die Übereinstimmungen sind so groß, dass man die beiden Arten auf diese Weise nicht unterscheiden kann. Das kann bedeuten, dass es überhaupt keinen Sinn macht, dort von Arten zu sprechen. Quelle siehe Landessportfischerverband/. Wenn ein Leser dazu mehr Informationen kennt, bitte entsprechende Mail an mich.

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