Silent Friend – Eine Ginkgo ist Titelheldin im Kinofilm

CC0, Silent Friend, Szene im Kino mit Publikum
Vorpremiere Silent Friend in Gegenwart von Tony Leung Chiu-wai, 17 January 2026, im Cinéma Capitole (Swiss Film Archive, Lausanne), aus Wikipedia, Foto von Tarika Puzoos cc0

Silent Friend – Filmbeschreibung

Der Film spielt im Umfeld der Universität Marburg. Verbindendes Element der drei Erzählebenen ist ein ausgewachsener Ginkgo-Baum im alten Botanischen Garten dort. Bäume beherschen die Zeit, sie stehen für Jahrhunderte, Tiere bewegen sich im Raum. Die drei menschlichen Geschichten im Umfeld der Ginkgo sind im Raum beweglich, in der Zeit jeweils auf wenige Monate beschränkt. Der Kinostart in Deutschland war Mitte Januar 2026.

Handlung im Jahr 2020 Tony Wong

Figur: Tony Wong, chinesischer Neurowissenschaftler.

Forschungsschwerpunkt: Wie das Gehirn von Säuglingen auf Sinneseindrücke reagiert – im Gegensatz zu Erwachsenen nimmt ein Baby seine Umgebung ganzheitlich wahr.

Motivation in Marburg: Während einer Gastprofessur fragt er sich, ob ein Baum auf seine Umwelt reagiert und ob man diese Reaktion mit einem EEG messen kann.

Handlung im Jahr 1972 Hannes und Alice

  • Figuren:
    • Alice– Studentin der Botanik, die im Botanischen Garten arbeitet. In der Nähe des Ginkgo-Baumes lernt sie den Mitstudenten Hannes kennen.
    • Hannes– Kommilitone, der während einer Wanderreise von Alice die Pflege von Garten und Geranie übernimmt.
  • Experiment: Alice verbindet eine Geranie auf ihrer Fensterbank mit Messgeräten. Sie will zeigen, dass die Pflanze sie erkennt und sogar Zuneigung zu ihr entwickelt.
  • Konflikt: Während Alice verreist, soll Hannes die Geranie gießen – jedoch „nicht zu nett“ sein, weil die Pflanze nur Alice lieben soll. Stattdessen entsteht zwischen Hannes und der Geranie eine unerwartete wechselseitige Beziehung.

Handlung im Jahr 1908 Grete

  • Figur: Grete, die erste Studentin an der Universität Marburg.
  • Herausforderungen: Sie muss patriarchale Vorurteile und sexuelle Belästigungen überwinden.
  • Erfolg: Durch Fleiß, Talent und Entschlossenheit schließt sie ihr Studium ab. Zusätzlich qualifiziert sie sich als Fotografin. Die von ihr geschaffenen Fotostillleben von Pflanzenteilen sollen ein Zwiegespräch zwischen Betrachter und Pflanze auslösen.
Ginkgo in Kroatien, gepflanzt 1777
Ginkgo in Kroatien, gepflanzt 1777, CC0 Photo by B. M. Begović

Gefühle zwischen Mensch und Pflanze

Ginkgo-Bäume sind zweihäusig: es gibt männliche und weibliche Bäume. Insbesondere die überreifen Früchte verbreiten einen für den Menschen unangenehmen Geruch nach Buttersäure. Deshalb werden in botanischen Gärten üblicherweise nur männliche Ginkgos gepflanzt.

In dem botanischen Garten Marburg steht dagegen nur ein Ginkgo, ein Weibchen. Wie auch in den Parks mit ausschließlich männlichen Bäumen sind befruchtende Beziehungen ausgeschlossen. Fühlen sich die Ginkgos nun einsam? Macht es Sinn, diese Frage zu stellen? Können Wissenschaftler diese emotionale Dimension erfassen?

In den Filmszenen vom Anfang des 20. Jahrhunderts scheint sich eine Beziehung zwischen Mensch und Pflanze aufzubauen. Eine Methode ist die Berührung von Stamm und Rinde des Baumes, eine andere Methode ist die Gestaltung von Stillleben und der daraus entstehenden Fotografie . Zu der Zeit bleibt diese Beziehung Mensch-Pflanze wortlos und wird in keiner Weise quantitativ gemessen. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts dagegen stehen Instrumente zur Verfügung, die es denkbar machen das Geschehen durch Messungen zu verfolgen und festzuhalten.

Forschungsmethoden und Shinrin Yoku

  • 1908: Fotografie zeige ein heiliges Muster des Universums, verborgen im Gewebe der Pflanze.
  • 1972: Emotionen einer Geranie, festgehalten durch die Nadel eines elektrischen Messgerätes.
  • 2020: Vielfarbige schwingende Strukturen auf dem Bildschirm lassen Gefühle des Ginkgos erahnen.

Shinrin Yoku (Waldbaden) könnte ein alternativer Zugang zu dieser Frage sein. Wenn du als Leser/-in eigene Erfahrungen zu diesem Weg hast, melde dich bitte.

Gefühle zwischen Mensch und Mensch

Im Film sind drei Zeitebenen verwoben. So wie die Beziehung zwischen Mensch und Pflanze im Film erforscht werden, so werden auch die jeweils zeitgebundenen Beziehungen zwischen Mensch und Mensch betrachtet.

Studentin Grete, erste Studierende an der Uni, allein im ausschließlich männlichen Umfeld. Eine zart angedeutete Beziehung zu dem Assistenten.

Studentin Alice mit Geranie und schwieriger Nichtbeziehung zum Kommilitonen Hannes. Zusammen mit der Geranie zieht sie Hannes aus seinem rauchenden und trinkenden Freundeskreis weg in Richtung auf eine sensiblere Betrachtung der Welt.

Chinesischer Neurologe Wong als Gastdozent mit fernen weiblichen Assistentinnen hat eine sich drastisch verändernde Beziehung zum Hausmeister des botanischen Gartens. Zum Filmende deuten bunte Schwingungsbilder auf mögliche Gefühle des Baumes hin.

Diese Suche nach Kommunikation zu anderen (Mensch-Mensch / Mensch-Pflanze) verbindet die Erzählebenen des Films. Bist du alleine – bist du einsam – bist du erfüllt?

Körperliche Begegnung

In einer Vision am Himmel findet eine Vereinigung einer beweglichen Zelle mit dem Mond statt – parallel zu der Befruchtung der weiblichen Ginkgo-Blüte durch aus China importierten Pollen. Diese körperliche Befruchtung wurde ermöglicht, da die chinesische Assistentin ein Paket mit männliche Ginkgo Blüten an Professor Wong gesendet hatte. (Zweifelhaftes Detail im Film: die Samen kommen aus China nach Marburg in einem DHL Paket.) Professor Wong und der Gärtner steigen auf Leitern und bestäuben die weiblichen Blüten per Hand. Einige Stunden später schlägt das EEG des Baumes farbig und offenbar freudig aus.

Abweichend vom Filmgeschehen findet die Verschmelzung der Samenzellen erst später im Jahr innerhalb der bereits am Boden liegenden Früchte statt. Wenn du als Leser/-in spezielleres Interesse hast, so lese in Wikipedia zu den Einzelheiten der Befruchtung.

Links zum Film

Der Link führt zu YouTube
Marburg im Kino: „Silent Friend“ gewinnt internationale Preise

YouTube Link zum Trailer

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