Pionierprojekt Europäische Auster

Pazifische Auster
Pazifische Auster, besiedelt mit Seepocken und „Bohrwürmern“, nicht die hier besprochene Europäische Auster

Auster: Projekt Wiederansiedlung

Die Europäische Auster ist seit ca. hundert Jahren in der deutschen Nordsee ausgestorben. Nach einer Pilotstudie startete 2016 eine Wiederansiedelung. Die Arbeiten begannen in Helgoland. Die Biologen stellten Körbe mit Austernbrut in die Nordsee. Tiere und Wassereigenschaften wurden beobachtet und gemessen. Parallel dazu begann eine Austernzucht im Helgoländer Meeresaquarium. Raumbedarf entstand nicht nur für die Austern selber. Mehrere Räume werden für die Anzucht von mehreren Arten einzelliger Algen benötigt, die Futterversorgung für die Austernlarven und die kleinen Austern.

Die ins Meer ausgesetzten Austern sind immer noch Babys, die Schale misst um die 2 mm. Nach einem Jahr sind die Tiere einige Zentimeter groß geworden, im zweiten Jahr sind sie bereits geschlechtsreif. Eine Auster kann über 20 Jahre alt werden.

Dr. Pogoda stellt die Wiederansiedlung vor

Im Industriemuseum Elmshorn berichtete Frau Pogoda von der Wiederansiedlung der Europäischen Auster in der Deutschen Bucht (26. April 2022). Der Vortrag gehört zur Veranstaltungsserie 70 Jahre Wiederbesiedlung Helgoland im Jahr 2022. Frau Dr. Bernadette Pogoda arbeitet im Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Helgoland.

Fischereigebiet für Austern 1883 in der Nordsee - Dr. Pogoda AWI

Historische Vorkommen der Europäischen Auster

Vor zweihunder Jahren war die Europäische Auster Ziel der Fischflotten in der Nordsee. Englische Karten zeigen die wirtschaftlich bedeutenden Vorkommen entlang der britiscthen und dänischen Küste. Die Vorkommen im Wattenmeer wurden auf diesen Karten nicht angezeigt, vermutlich, weil englische Fischerboote dort nicht fangen konnten. Bemerkenswert sind die großen Fangflächen in der südöstlichen Nordsee, im tieferen Wasser. Soweit die Aufzeichnungen der Fischerei erkennen lassen, wurden immer wieder neue Austernriffe entdeckt, die dann innerhalb von ca. 10 Jahren leergefischt wurden.

Heutige Vorkommen der Europäischen Auster

Im deutschen Nordsee-Bereich gibt es keine Austernbänke der Europäische Auster mehr, bis auf die jetzt im Rahmen der Wiederansiedlung geschaffenen Austernkörbe.

Die Europäische Auster wird auch heute in der Atlantikküste Frankreichs für den Markt bereitgestellt, meist aus künstlichen Austernbänken, nicht im freien Wasser.

Standort für die Wiederansiedlung

Das Wiederansiedlungsprojekt startete mit einigen Austernkörben in der See bei Helgoland. Diese dienten vornehmlich der Erkenntnisgewinnung. Die reale Wiederansiedlung soll im tieferen Wasser vor Borkum erfolgen, in dem aus den Karten bekannten ehemaligen Gebiet mit bedeutenden Austernbänken. Neben Austernkörben werden auch künstliche Sandsteinfelsen (aus 3D-Druckern, moderne Technik lässt grüßen) und alte Austernschalen als Substrat angeboten. Aktuell sind die Bänke einige Quadratmeter groß, in der nächsten Phase soll eine hektargroße Fläche mit Startaustern besetzt werden.

Europäische Auster und Pazifische Auster in Europa

Weltweit gibt es mehrere Arten von Austern. Die Europäische Auster wurde vom Menschen an anderen Küsten angesiedelt. Spätestens mit dem Rückgang der einheimischen Auster wurde in Deutschland die Pazifische Auster angesiedelt. Die pazifische Form hat eine länglichere Schale, die auf der Oberseite scharfe Kalkblätter bildet. Auf den Austernbänken der pazifischen Form sitzen die Tiere sehr viel enger.

Die Larven der Europäischen Auster schlüpfen und entwickeln sich einige Zeit im Muttertier, bevor sie ins Wasser entweichen und sich einen Platz zum Festwachsen suchen. Die Pazifischen Austern geben Eier und Samen ins Wasser ab. Dort findet die Befruchtung statt. Aus den frei treibenden Eiern schlüpfen die Larven, die sich nach einigen Tagen einen Platz zum Festwachsen und Leben suchen.

Darstellung des Aussterbens in Wikipedia

Wikipedia: Die Europäische Auster war im deutschen Anteil der Nordsee seit etwa 1930 ausgestorben. Sie ist nun seit etwa 1992 in kleineren Beständen wieder heimisch, die vermutlich aus französischen Zuchten stammen. Sie ist aber weiterhin vom Aussterben bedroht.

Es trifft zu, dass die wiederangesiedelten Tiere von der französischen Atlantikküste stammen. Doch von einem natürlicher natürlichen Wiederbesiedlung war im Vortrag nichts zu hören. Die Art ist in der Nordsee ausgestorben. Von dem Wiederansiedlungsprojekt weiß Wikipedia noch nichts.

Der aktueller Stand des Wissens und Wikipedia

In Wikipedia ist aktuell (April 2022) nachzulesen: Die Europäische Auster lebt bevorzugt in flachen Küstengewässern, sie bevorzugt Buchten mit stabilem Salzgehalt und einen festen Untergrund. Sie kommt von der Gezeitenzone bis in etwa 80 m Wassertiefe vor. Sie bildet aber keine Bänke, sondern liegt vereinzelt im Abstand von einem bis mehreren Metern. Bei Niedrigwasser kann sie auch trocken fallen; die Klappen werden dabei fest verschlossen.

Dr. Pogoda zeigt, dass die Europäische Auster in mehren 10 Metern Wassertiefe leben möchte. Dort waren die großen Austernriffe der Nordsee. Allerdings kam es auf geeigneten Untergrund im Wattenmeer immer wieder zu natürlichen Ansiedlungen der Europäischen Auster. Starke Winter mit viel Eis beendeten diese Ansiedlungen im flachen Wasser alle paar Jahre. Dagegen lebt die Pazifische Auster gerne im flachen Wasser, also auch im Wattenmeer. Sie kann auch trocken fallen, dann sind die Schalen fest verschlossen und verhindern so die Austrocknung.

Beide Austern bilden in gesunden Beständen Austernbänke oder Austernriffe. Wenn ein Bestand nur noch einzelne Tiere hat, mit meterweiten Abstand, so ist der Bestand am Aussterben. Die Befruchtung ist dann nicht mehr gewährleistet, die Samen finden nicht mehr zu den Eiern. Da eine Auster über zwanzig Jahre alt werden kann, ist es möglich, dass man solche einzelnen Austern noch findet, auch wenn die Population als solche nicht mehr zukunftsfähig ist. Die Europäische Auster bildete im 19. Jahrhundert sehr wohl ausgedehnte Riffe, auch im Wattenmeer.

Riffe, gebildet von der Auster

Austernriffe als Biozönose

Die Auster bildet Riffe, die von ähnlicher Bedeutung sind wie die bekannten Korallenriffe. Gerne laichen Fische in diesen Riffen, in deren Spalten sich die Jungfische gut verbergen können. Das Bild listet eine Vielzahl von Meerestieren auf, die bereits auf den kleinen Riffen der Wiederansiedlung gefunden wurden.

Dr. Pogoda betont die Bedeutung der Austernbänke als „Biozönose“, ein Begriff der am Beispiel der Austernbänke eingeführt wurde. Mit Betonung auf die ökonomische Bedeutung der Auster für die Fischerei.

Möbius, Karl August: Zum Biozönose-Begriff. Kapitel aus ‚Die Auster und die Austernwirtschaft‘ 1877. Nachdruck von 1986 eventuell antiquarisch erhältlich. Verlag: AKADEMISCHE VERLAGG. GEEST UND PORTIG KG (1986) ISBN 10: 3321000091 ISBN 13: 9783321000096

Weiterführende Literatur

Unterrichtsmaterial über die Auster www.heimische-auster.de.

BfN-Schrift Status Aktueller Status der Europäischen Auster (Ostrea edulis) und Möglichkeiten einer Wiederansiedlung in der deutschen Nordsee

BfN-Schrift RESTORE: Wiederherstellung der Bestände der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee

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